FANDOM


Bestand und Gefährdung Bearbeiten

Denkmal für den letzten freien Wolf in Westfalen bei Ascheberg Der Wolf galt seit dem 19. Jahrhundert in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas sowie in Großbritannien als ausgestorben, ebenso in einigen Staaten der USA, teilweise in Mexiko und in Japan, und in den übrigen Regionen als stark dezimiert. Die Bejagung hatte darin nur regionalen und zeitweisen Anteil, es waren die erheblichen Eingriffe in die Struktur der Landschaft und in den Bestand der Beutetiere durch den Menschen, die zur Gefährdung führten.

Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts kamen in Nordamerika größere Bestände nur in Alaska und Kanada und im US-Staat Minnesota vor und einige isolierte Populationen in verschiedenen anderen Regionen der Vereinigten Staaten. Europäische Wolfspopulationen gab es noch in Galizien, Kroatien, der Krain, Serbien, Bosnien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Albanien, in Polen, der Slowakei und Russland. Kleinere Vorkommen fanden sich zudem in den Bergregionen von Italien, Spanien und Portugal sowie Schweden, Norwegen und Finnland. Verbreitet blieb der Wolf in Asien, so in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, in der Mongolei, in China, Indien, Korea, Afghanistan, Irak, Iran, Türkei, Saudi-Arabien, Syrien und Israel. Daten und Zahlen hierzu gelten allerdings als fragmentarisch und unzureichend.

Obwohl Wölfe seit den 1970er Jahren international unter zunehmend hohem Schutz stehen und eine direkte Jagd in den meisten Ländern verboten ist, werden sie weiterhin aktiv verfolgt. In manchen Staaten bestehen nach wie vor offizielle Jagdquoten, ein großes Problem stellen jedoch Wilderei und illegale Abschüsse dar. Institutionen des internationalen und auch regionalen Naturschutz und Maßnahmen des Wildtiermanagements wirken gegen das Bild des „bösen Wolfs“ und bemühen sich um Veränderungen in der gesellschaftlicher Wahrnehmung. Die Erkenntnis, dass der Wolf keine Gefahr für den Menschen darstellt und die Risiken für die Landwirtschaft, insbesondere die Viehhaltung, kalkulierbar sind, sollen dazu führen, dass das Tier als ein willkommener Bestandteil seiner ursprünglichen Habitate gesehen wird. Das Wachsen der Bestände und die Wiederansiedlung von Wölfen in Mitteleuropa am Anfang des 21. Jahrhunderts wird zum Teil auf diese Akzeptanz zurückgeführt.

Bestand in EuropaBearbeiten

Der Bestand des Wolfs nimmt seit Anfang des 21. Jahrhunderts in vielen europäischen Ländern beständig zu. Nach Erhebungen in den Jahren zwischen 2009 und 2013 geht man von etwa 12.000 bis 18.000 Wölfen in Europa ohne die Bestände in Russland und der Ukraine aus.

Mitteleuropäische FlachlandpopulationBearbeiten

Während 2005 für Deutschland sechs und für Westpolen 13 erwachsene Wölfe angegeben waren, wurden 2012 in Deutschland 14 Rudel und drei reviertreue Paare, in Polen 22 Rudel und 2 Paare gezählt. Die Anzahl aller adulten Wölfe wurde danach auf etwa 150 geschätzt. Konkrete Zahlen aus Deutschland im Jahr 2013 zeigen einen weiteren Zuwachs auf, so wurden insgesamt 24 Wolfsrudel oder -paare und vier Einzelwölfe nachgewiesen.

Auch in Polen kamen 2013 weitere Rudel hinzu, dort etablierte sich ein Bestand von 26 Wolfsfamilien.

Alpine und Italienische PopulationBearbeiten

Der Wolf wurde im Alpenraum komplett und in Italien weitgehend ausgerottet. Ein Restbestand von rund 100 Wölfen überlebte in den Abruzzen. Nachdem Italien die Art Mitte der 1970er Jahre unter Schutz stellte, erholte sich der Bestand und breitete sich im gesamten Apennin wieder aus. Heute leben dort wieder rund 800 bis 1000 Wölfe mit leicht steigender Tendenz.

1985 wurde erstmals ein Wolf aus dem Apennin in den italienischen Alpen nachgewiesen, 1987 einer in den französischen Alpen. Die erste Rudelbildung erfolgte hier 1992, die Ausbreitung schreitet seither weiter voran. In die Schweizer Alpen gelangten die ersten Wölfe 1995. Die Erhebungen im Winter 2010-2011 zeigten, dass im südwestlichen Alpenraum insgesamt 37 Wolfsrudel lebten, davon 16 in Frankreich, 14 in Italien und sieben grenzüberschreitende. Der minimale Bestand in den Rudelterritorien beträgt 118-153 Tiere, insgesamt geht man von 250 bis 300 Wölfen in den Alpen aus. Weitere Rudelbildungen erfolgten seither in der Schweiz (2012) und in den östlichen italienischen Alpen (2013).

Skandinavische PopulationBearbeiten

Die sehr kleine Population in Skandinavien gilt vor allem aufgrund ihrer geringen genetischen Vielfalt als gefährdet. Für das Jahr 2008 gibt das Schwedische Raubtierzentrum den Bestand für Schweden und Norwegen mit etwa 180 Tieren an. Der Bestand an freilebenden Wölfen in Skandinavien geht jedoch nur auf drei Gründertiere zurück, die aus der finnisch-russischen Population stammen. Zwei von ihnen sind der Beginn der heutigen skandinavischen Population 1983, ein drittes kam 1991 dazu. In jüngster Vergangenheit wanderten aber mehrere Wölfe aus der finnisch-russischen Population zu, so dass sich die genetische Problematik zuletzt entschärfte. Im Winter 2012-2013 wurden in Schweden 30 Rudel und 20 reviertreue Paare gezählt, in Norwegen drei Rudel und vier Paare. Fünf weitere Rudel und zwei Paar hatten grenzüberschreitende Reviere. Der Bestand wurde auf 380 (±30) Wölfe geschätzt.

Karelisch-Baltische PopulationBearbeiten

In Estland, Lettland und Litauen wurden 2010 und 2011 zwischen 800 und 1000 Wölfe angenommen, hinzugenommen werden die Bestände aus dem östlichen Polen von bis zu 359 Tieren. Die finnische Population ist mit 150 bis 165 Tieren angegeben. Es fehlen bei dieser Zählung die Zahlen aus Karelien und aus Murmansk. An anderer Stelle ist die Karelisch-Baltische Population mit etwa 4300 Wölfen gesamt angegeben.

Karpatische PopulationBearbeiten

Der karpatische Bestand von Wölfen gilt mit 3000 Tieren als stabil, der konkrete Nachweis ist jedoch schwierig, da es Probleme bei der Erfassung gibt. Dabei schätzt man 200 bis 400 Wölfe in der Slowakei, wohingegen im Jahr 2010 die offizielle Zahl 1823 beträgt. In Rumänien lebend 2300 bis 2700 Wölfe und in Ost-Polen etwa 250 Wölfe. Die Tschechische Republik gibt einen Wolf an und auch in Ungarn geht man von einzelnen Individuen aus.

Dinariden-Balkan PopulationBearbeiten

Auch im Gebiet der Dinariden und des Balkan werden die Zahlen wegen Problemen mit der Erfassung als ungenau betrachtet. Angegeben sind 32 bis 43 Tiere in Slowenien, 50 Rudel bzw. 168 bis 219 Tiere in Kroatien, 650 in Bosnien, etwa 1000 in Bulgarien gegenüber der offiziellen Angabe von 2200 bis 2500 Wölfen, 267 in Mazedonien, um die 800 in Serbien, mindestens 700 in Griechenland und 200 bis 250 in Albanien gegenüber der offiziellen Zahl von 2370 Wölfen.

Iberische PopulationBearbeiten

Aus den französischen Seealpen kommend sind Tiere inzwischen in den katalanischen Pyrenäen ins Gebiet des Naturparks Cadí-Moixeró von Norden nach Spanien vorgedrungen, einige hundert Kilometer östlich des bisherigen Haupt-Verbreitungsgebietes, das im Osten bis Soria reicht.[

Die Gesamtzahl der iberischen Population wird mit etwa 2400 Tieren angegeben, ca. 2000 in Spanien und 400 in Portugal.[31] Ein isolierter und rückläufiger Bestand von Wölfen lebt in der Sierra Morena. Während 2005 noch von 63 bis 77 Tieren ausgegangen wurde, konnte 2012 nur noch ein Rudel festgestellt werden.

Der Wolf in DeutschlandBearbeiten

In Deutschland, insbesondere in seinen Ostprovinzen, hatte sich der Wolf während des Dreißigjährigen Kriegs wieder stark ausgebreitet.

Der Wolf war bis 1770 im Sauerland und in der Eifel bis 1872 heimisch. Danach wird er als Zuwanderer aus den Ardennen eingestuft. Die Tiere sollen über den zugefrorenen Rhein auf die östliche Rheinseite gekommen sein und dann weiter bis nach Wittgenstein. Zuwanderer verzeichnete man in Westfalen noch bis 1861 und in der Eifel bis 1900. Die letzten Tiere sollen alle Rüden gewesen sein, die Fernwanderungen durchführten. Über sein Auftreten in Pommern bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts liegen statistische Angaben vor.

Der auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik vor der Rückkehr der Wölfe vorläufig letzte freilebende Wolf wurde am 27. Februar 1904 in der Lausitz erschossen. Er war 160 cm lang, hatte eine Widerristhöhe von 80 cm und wog 41 kg. Da es in der Gegend lange Zeit keinen Wolf mehr gegeben hatte, vermutete man hinter dem gerissenen Wild erst ein ausgebrochenes Zirkustier, weshalb er den Spitznamen „Tiger von Sabrodt“ (Ort des ersten Auftauchens) erhielt. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten immer wieder Wölfe nach Deutschland ein, bis 1990 wurden in Deutschland mindestens 21 Wölfe geschossen oder mit Fallen gefangen. Auch nach 1990 sind immer wieder Wölfe über die polnische Grenze nach Deutschland eingewandert und hielten sich bevorzugt auf Truppenübungsplätzen auf.

Im Jahr 2000 wurde im sächsischen Teil der Lausitz erstmals seit mindestens 100 Jahren wieder eine erfolgreiche Reproduktion des Wolfes in Deutschland nachgewiesen. Seitdem hat der Bestand des Wolfes dort kontinuierlich zugenommen und das Verbreitungsgebiet hat sich beständig vergrößert. Ende Juli 2013 lebten in der Lausitz in Sachsen und Brandenburg vierzehn Rudel oder Paare. Außerhalb der Lausitz gibt es weitere territoriale Vorkommen: Drei reproduzierende Rudel in Brandenburg, zwei reproduzierende Rudel in Sachsen-Anhalt, ein reproduzierendes Rudel in Niedersachsen und mehrere stationäre Einzeltiere oder Paare in anderen Regionen Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Niedersachsens sowie in Schleswig-Holstein. In Thüringen wurde 2013 ein einzelner Wolf gesichtet. Ob die in Hessen und Bayern festgestellten Einzeltiere noch anwesend und am Leben sind, ist unklar.

Mit der wachsenden Gesamtpopulation und seiner langsamen Ausbreitung kann bei weiterem erfolgreichen Schutz davon ausgegangen werden, dass der Wolf in Deutschland wieder dauerhaft ansässig wird. Obwohl in Deutschland streng geschützt und nicht jagdbar, wurden Wölfe wiederholt von Jägern geschossen. Seit 1990 wurden in Deutschland mindestens 15 Wölfe illegal getötet, neun alleine seit 2000. Bei einem dieser Tiere handelte es sich um einen Wolf, der nicht aus der deutsch-polnischen Population stammte, sondern aus der italienischen.

Mehrfach wurden weite Abwanderungen dokumentiert. Von drei im Frühjahr 2009 besenderten Wolfsrüden des Nochtener (zwei junge Rüden) bzw. Neustädter Rudels (ca. zwei bis drei Jahre alter Rüde) hatte ein junger Rüde nach einem über 1000 km langen Weg im Sommer 2009 Litauen erreicht. Ein im November 2012 in Nord-Dänemark tot aufgefundener Wolfsrüde wurde nachweislich 2008 oder 2009 in einem Wolfsrudel in der Lausitz geboren. Er legte 720 km Luftlinie wandernd zurück.

Der Wolf in ÖsterreichBearbeiten

Nach der Eiszeit waren Wölfe im Großteil des heutigen Staatsgebietes verbreitet. 1846 erlegte Erzherzog Franz Karl von Österreich den letzten im Wienerwald lebenden Wolf.[62] Das Hauptverbreitungsgebiet der Wölfe war die Steiermark, wo sie noch bis 1882 vorkamen. Seither konnte sich keine Population mehr dauerhaft etablieren, ein sich 1954 erfolgreich fortpflanzendes Paar in Osttirol blieb ein Einzelfall.[63]

Seit 1970 konnte eine Anstieg der Sichtungen im Grenzgebiet Österreich–Tschechien beobachtet werden, so war es bis 1989 nur ein Wolf, der im oberösterreichischen Bezirk Rohrbach gesichtet wurde, und zwischen 1990 und 2004 waren es schon zehn Tiere in der gleichen Region. Aus dieser Zeit sind Meldungen über Abschüsse im Bezirk Rohrbach, bei Eibeswald in der Steiermark oder bei Eisenkappl in Kärnten bestätigt. [64]

Besonders seit 2009 nimmt die Zahl der Wolfsnachweise in Österreich zu. Für das Jahr 2010 schätzte der WWF, dass sich in Österreich drei bis fünf Tiere in den östlichen Bundesländern wild aufhalten. Seit 2009 wurden zudem in Tirol mindestens drei unterschiedliche Wölfe nachgewiesen. Die europäische Kommission gibt für Österreich insgesamt zwei bis acht Tiere an. Bemerkenswert ist dabei besonders die Tatsache, dass die nachgewiesenen Wölfe aus drei verschiedenen Populationen stammen: Aus den Westalpen, dem Balkan und den Karpaten.


(Quelle:Wikipedia)

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki